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26. Ludwig-Marum-Preis
26. Verleihung des Ludwig-Marum-Preises - Auszeichnung der inklusiven Handballmannschaft „Turnados“ Durlach
Zahlreiche Interessierte begaben sich am Abend des 05. Februars 2026 in die Aula des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal, um der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus und der 26. Preisverleihung der Ludwig-Marum-Stiftung beizuwohnen. Jährlich werden Personen, Vereine oder Institutionen gewürdigt, die sich im Sinne des schulischen Namensgebers in besonderem Maße durch vorbildliches Sozialverhalten auszeichnen, sich mit der Geschichte verfolgter Minderheiten auseinandersetzen oder aktiv Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzen. In diesem Jahr fiel der mit 500 € dotierte Preis der inklusiven Handballmannschaft „Turnados“ aus Durlach zu, deren Trainer Eva Karpf und Sebastian Tröndle ein Musterbeispiel für Toleranz von Vielfalt sind.
Nach der gefühlvoll von Joanna Vortkamp (J2) mit der Klarinette vorgetragenen „Romanze“ begrüßte Schulleiterin Elke Engelmann die Anwesenden. Namen wie Ludwig Marum, Julius Hirsch oder Margot Friedländer seien allen ein Begriff, doch es gäbe noch zahlreiche Schicksale wie das der aus Grötzingen stammenden, 1940 nach Gurs deportierten Meta Fröhlich, die uns unbekannt seien. Die Erinnerung an all diese Menschen, deren Wünsche, Taten und Hoffnungen sei essenziell.
„Erinnerung braucht Initiative, Demokratie braucht Initiative, ‚Nie wieder‘ braucht Initiative – unsere und Ihre“, konstatierte Engelmann und bedankte sich bei den Gästen für ihr Kommen.
Anschließend ergriff Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner, die neben Elke Engelmann Kuratoriumsvorsitzende der Ludwig-Marum-Stiftung ist, das Wort und erläuterte die mit dem Preis verbundene Zielsetzung der Stiftung, Menschen auszuzeichnen, die dieses „Nie wieder“ leben. „Wir müssen miteinander darüber reden, wohin wir gehen wollen“, so die Bürgermeisterin, „und die Turnados gehen mit gutem Beispiel voran.“
Mit einem feurigen, doch tragisch-melancholisch anmutenden Tango Nuevo leiteten die Elftklässlerinnen Jonna Ellwanger (Klarinette), Stella Askani (Trompete), Marla Andresen (Horn) und Helene Schuch (Klavier) zur Gedenkrede für die Opfer des Nationalsozialismus über.
Gehalten wurde diese von Dr. Monika Pohl, OStR’in a. D., die bis 2015 Deutsch, Geschichte und Ethik am Ludwig-Marum-Gymnasium unterrichtet, sich in mehreren Publikationen mit der politischen Biographie Ludwig Marums auseinandergesetzt hat und Zweite Vorsitzende des Forums Ludwig Marum e.V. Karlsruhe ist. Deutschland musste nach seiner „dunkelsten Geschichte“, dem Holocaust, den Aufbau und das Pflegen einer Gedenkkultur sowie die Auseinandersetzung mit der Frage nach Schuld oder Verantwortung erlernen. Heute sei die Bundesrepublik stolz auf eine umfassende Gedenkkultur, die jedoch Gefahr laufe, in ritualisierten Formen zu erstarren, so Dr. Pohl. An einer Schule wie dem Ludwig-Marum-Gymnasium, deren Name vor über 40 Jahren von Schülerinnen und Schülern vorgeschlagen wurde, die dem Vergessen und Verdrängen bewusst entgegentreten wollten, sei das inakzeptabel. Nach einem kurzen Abriss über Marums Überzeugungen und politisches Handeln wagte die Rednerin den Sprung in die Gegenwart mit der ernüchternden Feststellung, dass Marums Positionen heutzutage nicht mehr ungeteilte Zustimmung fänden. Nach einem dystopischen Szenario über mögliche Veränderungen an der Schule, kämen diejenigen, die Kriegsverbrechen als „Vogelschiss in der Geschichte“ abtun, in Regierungsverantwortung, appellierte Dr. Pohl an die Anwesenden, die Verteidigung der Demokratie als zivilgesellschaftliche Pflicht eines jeden Einzelnen wahrzunehmen und insbesondere an die Jugend, Demokratie aktiv mitzugestalten.
Nach anhaltendem Applaus spielte David Snethlage (J2) schwungvoll „Nadjas Tanz“ auf dem Vibraphon, ehe Mathias Tröndle die Laudatio für die diesjährigen Preisträger hielt. Er berichtete zunächst von der Gründung der Handballmannschaft für Menschen mit Unterstützungsbedarf und kognitiver Beeinträchtigung im Jahr 2009 und der anfänglichen Skepsis, mit welcher viele dem Projekt gegenüberstanden. Doch nicht nur die nationalen wie internationalen Erfolge – bspw. bei den Special Olympics World Games in Abu Dhabi 2019 –, „sondern die Normalität des zuvor Außergewöhnlichen, schwer Vorstellbaren [sei das eigentliche] Licht der Solidarität“. Mittlerweile gebe es neben dem Traditional Team, in welchem nur Menschen mit Handicap sind, auch das inklusive Unified-Team. Von den beiden ehrenamtlichen Trainern Eva Karpf und Sebastian Tröndle, die beide mit Ball in der Hand aufgewachsen seien, gingen die wesentlichen Impulse für die skizzierte positive Entwicklung aus: Nicht nur Wissen, sondern Handeln sei das drängende Gebot der Stunde, um Diskriminierung aktiv entgegenzuwirken, so Tröndle. Anschließend betraten die VertreterInnen der Ludwig-Marum-Stiftung sowie die „Turnados“ mit Eva Karpf und Sebastian Tröndle die Bühne, wo Elke Engelmann unter tosendem Applaus den Preis übergab mit den Worten: „Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich in ihrer Fähigkeit, Unterschiede zu feiern.“
„Im Endeffekt spielen wir Handball und mehr wollen wir gar nicht“, fasste Sebastian Tröndle sein und das Engagement Karpfs nüchtern zusammen. Desillusioniert angesichts der gegenwärtigen politischen Entwicklungen äußerte er die Hoffnung, es möge „solche Initiativen in 10 Jahren auch noch [geben].“
Alexander Marum, einer der Ururenkel Ludwig Marums, beglückwünschte die Turnados und knüpfte an Tröndles Worte an: „Wenn jeder im kleinen Kreis, dort, wo wir Einfluss haben, Dinge zum Besseren wendet, besteht Grund zur Hoffnung.“
Mit „Bridge over troubled water“, einer Hommage an die Freundschaft und den Zusammenhalt, beschloss der Musikkurs unter der Leitung von Sylvia Silvery den offiziellen Teil des Abends. Beim anschließenden Umtrunk, der musikalisch untermalt wurde von einigen Musikerinnen des Leistungskurses Musik, kamen die Gäste miteinander ins Gespräch und ließen den denkwürdigen Abend ausklingen.
Sylvia Silvery